Ein Vater sentdeckt seinen inneren Krieger als Samurai

Entfessle Deinen inneren Krieger

Das Leitbild des inneren Kriegers hilft, in unseren Rollen als Vater, Partner und im Arbeitskontext stark und freudvoll zu bleiben. So können wir mehr für unsere Liebsten da sein.

Inhalt

Herausforderung Vatersein

Vater zu sein heißt, viele Rollen gleichzeitig zu tragen: Partner, Versorger, Vorbild, Freund, Fels in der Brandung. Dabei prasseln Erwartungen von außen und Ansprüche von innen auf Dich ein. Machen wir uns nichts vor: Jeder von uns ist davon ab und zu überfordert. Wir wissen nicht, welche Rolle wir zuerst erfüllen sollen. Es fällt schwerer, von einer Rolle auf die andere emotional umzuschalten. Wir werden zornig, ungerecht und vielleicht sogar verzweifelt. Wir bekommen das Gefühl, allem hinterherzulaufen – und doch niemandem wirklich gerecht zu werden. Vor allem nicht uns selbst und unserem Anspruch, für unsere Liebsten da zu sein.

Das Leitbild des inneren Kriegers kann uns genau in diesen Situationen – oder besser noch vorher – helfen. Dabei geht es nicht darum. Dass Du hart zu anderen bist oder Deiner Familie den Krieg erklärt. Im Gegenteil. Der Inner Warrior ist eine Einladung zu Klarheit, Verantwortung und dienender Stärke.

Die Qualitäten des (inneren) Kriegers

Darf ich vorstellen? Der Krieger! In der heutigen Zeit mag das nach einem antiquierten Ideal klingen. Aber wenn Du mir noch einige Momente Aufmerksamkeit schenkst, bin ich sicher, das Leitbild des inneren Kriegers in ein gutes Licht rücken zu können, auch wenn Du sehr pazifistisch bist.

Entgegen vielen Annahmen, ist ein Krieger erst einmal nicht gegen jemanden gerichtet. Er sucht keine Feinde, er kultiviert keine Aggression um der Aggression willen. Stattdessen steht er für Werte: Schutz, Integrität, Mitgefühl, Verbindlichkeit und Wachstum. Sein Kampf richtet sich in erster Linie nach innen – gegen Bequemlichkeit, Ablenkung, Ego und Wegschauen. Er ist derjenige, der auftaucht, wenn es unangenehm wird: im ehrlichen Gespräch, beim Setzen von Grenzen, wenn Entschuldigungen fällig sind und wenn es heißt, Verantwortung zu übernehmen.

Der Krieger ist darin Wächter und Diener zugleich. Er schützt, was ihm anvertraut ist – Familie, Gemeinschaft, die gemeinsame Zukunft. Er stellt seine Kraft in den Dienst dieses Größeren, sei es konkret, wie das Leben eines Menschen, oder abstrakt, wie die Idee der Freiheit und Selbstbestimmung. Das haben alle Krieger gemeinsam.

Neben dem Dienen und dem Schützen hat der innere Krieger noch eine Qualität, die uns als Vätern im Alltag sehr helfen kann: Krieger lernen im Kampftraining, vollständig im Hier und Jetzt zu sein. Geht es um Leben und Tod, würden alle Erinnerungen an gestern, alle Gedanken an die Zukunft, alle Sorgen und Hoffnungen nur stören und im Zweifelsfall tödlich sein. Stattdessen gilt es, mit allen Sinnen und einem (im Idealfall) völlig ruhigen Geist darauf zu reagieren, was der Gegner gerade tut.

Auf den Inner Warrior als Leitbild übertragen, hilft uns dieses Mindset dabei, jederzeit präsent zu sein, um auf die Bedürfnisse unseres Umfeldes eingehen zu können – und dies auch bei schnell wechselnden Anforderungen als Vater, Partner und um Arbeitskontext.

Warum das Krieger-Leitbild hilft

In den Kulturen sind die verschiedene Archetypen des Kriegers entstanden. Wenn wir diese dafür nutzen wollen, unseren inneren Krieger zu entfesseln, dann geht es weder darum, kostümierte Rollenspiele zu machen, noch wollen wir das Idealbild mit der historischen Realität abgleichen. Wir wollen nicht Krieg spielen oder Leid verursachen.

Stattdessen sind die Archetypen (innerer) Krieger Verdichtungen von Tugenden zu einem erstrebenswerten Idealbild. Sie machen komplexe Haltungen greifbar und damit nachlebbar: Mut, Verantwortung, Achtsamkeit, Teamgeist, Disziplin. Und ja, ein solches Idealbild verklärt. Gleichzeitig macht es aus meiner Sicht nur Sinn, sich mit einem Idealbild zu identifizieren.

Wer will denn bitte 80%, wenn er alles haben kann?

Wichtig ist dabei: Du musst nicht perfekt sein – aber Du übst täglich, näher an dieses Ideal heranzurücken. Das Leitbild des inneren Kriegers kann uns dabei helfen, diese hohen Werte in konkrete Gewohnheiten zu übersetzen, um mentale, emotionale und körperliche Stärke zu entwickeln. Dazu gleich noch mehr. Lass uns zunächst einen Blick auf die verschiedenen Kriegerarten werfen.

Archetypen des inneren Kriegers

Folgend stelle ich Dir einige Archetypen des inneren Kriegers bzw. Inner Warrior in loser Reihenfolge vor (sicherlich könnte man noch mehr sammeln). Die Sortierung ist durch meine eigenen Prioritäten beeinflusst, das muss mit Dir nichts zu tun haben und bedeutet auch nicht, dass ein Kriegertypus besser ist als der andere.

Hier geht es auch nicht darum, der eine Krieger zu sein und der andere nicht. Denn sie alle haben viele Gemeinsamkeiten. Aber es gibt mit Sicherheit einen oder vielleicht auch zwei oder drei Archetypen, die Dich (im Moment) am meisten inspirieren. Das kann auch je nach Rolle, die Du gerade erfüllst, ein anderer Typus sein (so ist es zumindest bei mir). Ich bin jedenfalls überzeugt, dass wir immer dort ansetzen sollten, wo wir das größte Identifikationspotenzial empfinden. Der Rest folgt dann (fast) von allein.

Der Samurai – Meister der Disziplin und Ehre

Samurai - eine Art des inneren KriegersIdeale Eigenschaften

  • Disziplin & Ritual: tägliche Routinen, die Stabilität schenken
  • Ehre & Integrität: Wort halten, auch wenn es schwerfällt
  • Achtsamkeit: Präsenz im Moment, stille Stärke

Vaterschaft in Aktion

  • Verbindliche „Dojo-Zeiten“ mit den Kindern (z. B. 30 Min. ungeteilte Aufmerksamkeit, Handy weg)
  • Klare Familienabsprachen – und der Erste, der sie einhält, bist du
  • Wöchentliches Ehrenwort: eine Zusage an Partner und/oder Kinder schriftlich geben und erfüllen 

Der Wikinger – Mut, Abenteuerlust und Verbundenheit

Wikinger - eine Art des inneren KriegersIdeale Eigenschaften

  • Mut & Tatkraft: ins Ungewisse gehen, Entscheidungen treffen
  • Gemeinschaftssinn: „meine Crew zuerst“ – Team Familie
  • Lebensfreude: feiern, Natur, Kälte, Elemente

Vaterschaft in Aktion

  • Abenteuer-Rituale am Wochenende: Wald, Regen, Lagerfeuer – gemeinsame Grenzerfahrung
  • Familienentscheidungen als „Thing“: alle kommen zu Wort, Ergebnisse sind verbindlich
  • „Mut-Liste“: jeden Monat eine Sache tun, die du hinausgezögert hast (Gespräch, Arzt, Projekt)

Der Ritter – Schutz, Verantwortung und Dienst

Ritter - die besonders edle Art des inneren KriegersIdeale Eigenschaften

  • Schutz & Fürsorge: Grenzen setzen, Geborgenheit schaffen
  • Verantwortung: für Fehler einstehen, Wiedergutmachung leisten
  • Dienst am größeren Ganzen: Werte vor Bequemlichkeit

Vaterschaft in Aktion

  • Abendschild: Du beendest Arbeit pünktlich und bist „im Hof“ präsent
  • Konfliktkodex: fair streiten, Entschuldigen beherrschen, Versöhnung aktiv gestalten
  • Schutz der Burg: digitale Hygiene (Filter, Bildschirmzeiten, offene Gespräche)

Der Spartaner – Einfachheit, Konsequenz und Körperschulung

Spartaner - die besonders asketische Art des inneren KriegersIdeale Eigenschaften

  • Askese & Fokus: weglassen, was ablenkt
  • Konsequenz: Training statt Ausrede
  • Teamgeist: Schulter an Schulter, niemals allein

Vaterschaft in Aktion

  • Minimalismus im Alltag: klare Routinen, wenige, dafür starke Regeln
  • Gemeinsames Training mit den Kindern (altersgerecht, spielerisch)
  • Monats-Challenge: eine Gewohnheit streichen (kein Alkohol oder Zucker unter der Woche, kein Snacken nach 18 Uhr, kein sinnloses Surfen oder Fernsehen)

Der Shaolin – Innere Ruhe, Beweglichkeit und Mitgefühl

Spartaner - die besonders fokussierte Art des inneren KriegersIdeale Eigenschaften

  • Innere Stille: Reiz-Reaktions-Lücke vergrößern
  • Beweglichkeit: Körper und Geist bleiben geschmeidig
  • Mitgefühl: Stärke ohne Härte

Vaterschaft in Aktion

  • Emotionales Co-Regulieren: Kind spiegelt Wut – du spiegelst Ruhe
  • Achtsamkeitsmomente im Alltag (gemeinsames Atmen vor dem Essen)
  • 10 Min. Meditation täglich (z. B. Atem zählen)

Der Häuptling – Führung, Vision und Zugehörigkeit

Indianerhäuptling - die besonders visionäre Art des inneren KriegersIdeale Eigenschaften

  • Vision: Warum der Familie klar formulieren
  • Ritualpflege: Traditionen, die Identität stiften
  • Zugehörigkeit: jedes Familienmitglied sieht und zählt

Vaterschaft in Aktion

  • Monats-Feuerkreis: Familie schaut zurück & nach vorn (Highlights, Learnings, Wünsche)
  • Rollen sichtbar machen: Wer trägt was? Wo braucht es Entlastung?
  • Familienleitbild auf einer Seite: Werte, Regeln, Rituale, Notfallpläne
  • Council-Zeit im 1:1 mit jedem Kind (15–30 Min./Woche)

Der Bogenschütze – Klarer Fokus und weite Perspektive

Bogenschütze - die besonders klare Art des inneren KriegersIdeale Eigenschaften

  • Zielklarheit: wenige, messbare Ziele
  • Geduld: Spannung halten, bis es passt
  • Weitblick: langfristig denken

Vaterschaft in Aktion

  • Quartalsziele Familie/Beruf, sichtbar am Kühlschrank
  • Fokuszeiten im Kalender blocken (Puffer inklusive)
  • Wochen-Planung (Sonntag, 30 Min.): Top-3 privat & beruflich

Den inneren Krieger nutzen

Bleibt die Frage, wie wir unseren inneren Krieger nutzen können, um mehr mentale, emotionale und körperliche Stärke als Väter zu entwickeln. Mir persönlich helfen verschiedene innere Krieger in den unterschiedlichen Rollen:

Das Leitbild des Samurai begleitet mich schon seit meiner Jugend. Mich fasziniert daran vor allem die Disziplin und Präzision, mit der seine Ziele verfolgt, seine Bewegungen ausführt. Beides sind nicht gerade meine Stärken, aber sie lassen etwas in mir anklingen. Lange Jahre dachte ich deswegen, dass mein Leitbild des Samurai viel zu weit weg sei. Bis mir ein sehr nahstehender Mensch spiegelte, dass ich die Ideale des Samurai – wörtlich: „derjenige, der dient“ oder auch Schützer – schon immer lebe. Denn was mir wirklich am Herzen liegt, ist, meine Liebsten dazu befähigen, ein sinnstiftendes und erfülltes Leben zu führen. Dafür brauchen sie Schutzraum, um sich ausprobieren und entfalten zu können, sowie die Mittel, um Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.

In meiner Rolle als Vater und Partner ist der Samurai die perfekte Inspiration, vor allem, um die mentale und emotionale Stärke zu entwickeln, für meine Liebsten immer da sei zu können. Aber auch, um im richtigen Moment zurückzutreten und ihnen die Freiheit zu geben, die sie für ihr eigenes Leben benötigen.

Geht es mein Selbstbild als Mann und was ich als Selbstfürsorge betreibe, kommt ein doch ganz anderer innerer Krieger zum Tragen: Hier inspiriert mich der Wikinger mit seiner Wildheit und dem unbändigen Drang nach Freiheit am meisten. Nichts lässt mich härter auf dem Rudergerät trainieren als gut gemachte Wikinger-Serien. Die Freude am – oft auch rauen – Umgang mit anderen Männern bei gemeinsamen Aktivitäten kommt hier voll zur Entfaltung.

Beide inneren Krieger widersprechen sich vielleicht auf den ersten Blick. Für mich sind sie dennoch gut integrierbar, weil ich sie in verschiedenen Kontexten und Rollen als Inspiration nutze. Dafür habe ich mir das Bild eines Samurai sogar in die heimische Küche gehängt, so dass ich ihn immer sehen kann, wenn es all zu bunt einhergeht und ich drohe die Nerven zu verlieren. Zugegeben, das hilft nicht immer, aber immer öfter.

Besonders wichtig sind für mich die zwei hauptsächlichen Qualitäten, die wohl jeder Krieger-Archetyp auf seine Weise ausdrückt: schützen und dienen.

  • Über den schützenden Aspekt habe ich ja eingangs schon einiges geschrieben. Hier kann uns unser Inner Warrior dabei helfen, mental und emotional so stark zu sein, dass wir eben nicht ausflippen, sondern gelassen bleiben, auch wenn es mal nicht rund läuft. Was stört den Krieger von so ein kleines Ärgernis?
  • Der dienende Aspekt des inneren Kriegers hilft mir persönlich, diesen Aspekt des Vaterseins besser zu leben. Es geht eben nicht darum, Diener im Sinne eines Untertan zu sein (auch wenn es sich vielleicht für uns manchmal so anfühlt mit den Kids). Stattdessen dient der Krieger aus freiem Entschluss heraus einer höheren Sache, hier dem Glück seiner Familie.

Der innere Krieger steckt auch in dir

Der innere Krieger kämpft nicht gegen die äußere Welt – er kämpft für sie: für Sicherheit, Nähe, Wachstum. Nutze den inneren Krieger, um Dein Denken, Sprechen und Handeln auszurichten an einem Ideal, das dir wirklich hilft, Stärke zu entwickeln. Wenn Du Dein Leitbild klar wählst, klein anfängst, aber täglich handelst, wirst Du mit Sicherheit zum Helden Deiner Liebsten. Und als ein solcher StrongDaddy vielleicht sogar zum Vorbild für andere Männer.

Ich wünsche es Dir sehr!

Felix Schmidt

Stolzer Vater, liebender Ehemann, leidenschaftlicher Unternehmer

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